Wie hoch ist der Mindestlohn im Minijob?

9. Dezember 2021

Der allgemeine Mindestlohn unterscheidet nicht nach der Art des Beschäftigungsverhältnisses. Daher gilt der allgemeine Mindestlohn auch für Minijobber.

Gerade für die geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnisse ist der Mindestlohn besonders zu beachten. Denn vielfach ist die Vergütung der Minijobber eher gering und somit besteht die Gefahr, dass der Mindestlohn unterschritten wird. Arbeitgeber von Minijobbern sollten daher die Mindestlohnhöhe stets im Blick haben.

Mindestlohn nicht überall gleich

Für bestimmte Branchen gelten eigene „Branchen-Mindestlöhne“, die für die dort beschäftigten Minijobber gelten. Dies ist beispielsweise in der Pflege und der Gebäudereinigung der Fall.

Allgemeiner Mindestlohn

Der allgemeine Mindestlohn wird in Deutschland regelmäßig durch die Mindestlohnkommission vorgeschlagen und per Rechtsverordnung vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlicht.

Hier wird ein Mindestlohn pro Stunde (60 Minuten) festgelegt und darf nicht unterschritten werden.

Zuletzt wurde der Mindestlohn für die Jahre 2021 und 2022 festgelegt. Hierbei wurden für den Zeitraum gleich vier Anpassungen (Erhöhungen) des allgemeinen Mindestlohns verkündet. Konkret gelten folgende Mindestlöhne:

  • vom 1. Januar 2021 bis 30. Juni 2021 Mindestlohn von 9,50 Euro je Stunde,
  • vom 1. Juli 2021 bis 31.12.2021 Mindestlohn von 9,60 Euro je Stunde,
  • vom 1. Januar 2022 bis 30. Juni 2022 Mindestlohn von 9,82 Euro je Stunde,
  • ab 1. Juli 2022 Mindestlohn von 10,45 Euro je Stunde.

Liegt der Stundenlohn eines Minijobbers unterhalb des allgemeinen Mindestlohns, dann muss der Stundenlohn erhöht werden.

Somit kann es zu der Situation kommen, dass ein Minijobber in den Jahren 2021 und 2022 gleich mehrere Lohnerhöhungen bekommt, weil der Mindestlohn angehoben wird.

Beispiel:

Ein Minijobber erhält einen Stundenlohn von 9,70 Euro.

Im Jahr 2021 liegt er damit oberhalb des Mindestlohns von 9,50 Euro bzw. 9,60 Euro.

Ab 1. Januar 2022 steigt der Mindestlohn, so dass auch der Stundenlohn des Minijobber angehoben werden muss. So erhält er von Januar bis Juni 2022 9,82 Euro je Stunde und ab 1. Juli 2022 sogar 10,45 Euro je Stunde.

Verdientstgrenze und Mindestlohn

Die Erhöhung des Stundenlohns bei Minijobbern birgt ein Risiko. Denn durch die Entgelterhöhung kann es zu einem Überschreiten der Minijobgrenze von 450 Euro kommen. Daher müssen Minijob-Arbeitgeber neben der Entgelthöhe stets auch die Stundenzahl des Minijobbers im Auge behalten.

Unter Umständen ist daher die monatliche Anzahl der Arbeitsstunden zu reduzieren, wenn das Beschäftigungsverhältnis weiterhin als Minijob bestehen soll.

Beispiel:

Ein Minijobber hat eine feste Anzahl von 46 monatlichen Arbeitsstunden zu leisten. Er erhält einen Stundenlohn von 9,60 Euro. Dies entspricht dem Mindestlohn von Juli 2021 bis Dezember 2021.

Ab 1.1.2022 erhöht sich der Mindestlohn (und damit auch der Stundenlohn) auf 9,82 Euro.

Der Minijobber erhält bei einem Stundenlohn von 9,60 Euro und 46 Arbeitsstunden ein Monatsentgelt von 441,60 Euro (= 9,60 Euro x 46 Stunden). Damit wird die 450-Euro-Minijobgrenze eingehalten.

Ab 1. Januar 2022 steigt der Stundenlohn auf 9,82 Euro. Damit erhöht sich bei unveränderter Stundenzahl auch das Monatsentgelt. Im Januar 2022 liegt der Monatsverdienst des Minijobbers bei 451,72 Euro und überschreitet damit die Minijobgrenze.

Es bleiben nun zwei Möglichkeiten. Entweder das Beschäftigungsverhältnis wird als versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis fortgesetzt und der Arbeitnehmer zahlt eigene Sozialversicherungsbeiträge (als Midijobber).

Eine Alternative kann die Reduzierung der Arbeitszeit des Minijobbers sein, so dass trotz Entgelterhöhung die 450-Euro-Minijobgrenze eingehalten wird. So beträgt das Monatsentgelt bei 45 Stunden 441,90 Euro bei 9,82 Euro Stundenlohn.

Ab Juli 2022 müsste dann erneut eine Reduzierung der Arbeitsstunden auf 43 Monatsstunden erfolgen, um auch weiterhin die Minijobgrenze einzuhalten (449,35 Euro = 43 Stunden x 10,45 Euro).

Ausnahme vom Mindestlohn

Grundsätzlich gilt der Mindestlohn für alle Arbeitnehmer und damit auch alle Minijobber, also sowohl geringfügig entlohnte 450-Euro-Kräfte und auch kurzfristig beschäftigte Aushilfen. Es gibt allerdings eine Ausnahme bei den Mindestlohnbestimmungen.

Der Mindestlohn gilt nicht für Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Zahlreiche Schüler arbeiten als Minijobber. Haben diese das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet, können sie auch „unter Mindestlohn“ beschäftigt werden.

Hier sollte der Arbeitgeber aber berücksichtigen, dass es zwischen den Minijobbern zu einem Austausch über die Höhe des Stundenlohns geben kann. Werden für gleiche Tätigkeiten unterschiedliche Stundenlöhne gezahlt, kann dies zu einer Eintrübung des Betriebsklimas führen.

Links

https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Arbeit/Arbeitsbedingungen-bei-Langzeitentsendungen/Einzuhaltende-Tarifvertraege/einzuhaltende-tarifvertraege_node.html