Praktikanten als Minijobber – Wie funktioniert’s?

6. Oktober 2021

Praktikanten zu beschäftigen, stellt viele Betriebe vor eine Herausforderung. Dabei liegt das Problem jedoch nicht in dem Aufgabengebiet, sondern in der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung der Praktikanten. Hier gelten eigene Spielregeln für Praktikanten, die es zu beachten gilt.

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Zunächst muss bei der Praktikantenbeurteilung geklärt werden, um welch ein Praktikum es sich überhaupt handelt. Denn es gibt ganz unterschiedliche Arten von Praktika, die auch ganz unterschiedlich zu bewerten sind.

Schülerpraktika


So sind Schülerpraktika, die im Rahmen der Schulzeit, regelmäßig in den Klassenstufen 9 bis 11 und meist für zwei bis drei Wochen absolviert werden, nicht als Beschäftigung anzusehen und versicherungsfrei. Es fallen damit auch keine Sozialabgaben für den Schülerpraktikanten an.

Freiwillig und vorgeschrieben


Anders sieht es jedoch bei nach dem Schulabschluss aus, wenn ein Praktikum absolviert werden soll oder auch muss. Hier ist dann zwischen einem freiwilligen Praktikum und einem vorgeschriebenen Praktikum für die versicherungsrechtliche Beurteilung zu unterscheiden.

Freiwilliges Praktikum


Als freiwillige Praktika gelten alle, die nicht in einer Prüfungsordnung (Studienordnung) vorgeschrieben sind. Es handelt sich also um Praktika, die seitens des Praktikanten aus eigenem Antrieb freiwillig absolviert werden.

Erhält der Praktikant Arbeitsentgelt, so gelten die herkömmlichen Regelungen zur Sozialversicherungspflicht. Somit können hier die vorteilhaften Minijobregelungen genutzt werden, um ein Praktikum im Rahmen eines Minijobs oder eines kurzfristigen Minijobsdurchzuführen. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung der Minijobregelungen, also regelmäßig nicht mehr als 450 Euro monatliches Entgelt oder das Praktikum ist im Voraus auf nicht mehr als drei Monate bzw. 70 Arbeitstage befristet. So kann ein Praktikum einfach als kurzfristiger Minijob absolviert werden. Etwaige Entgelte sind in diesem Fall beitragsfrei.

Vorgeschriebenes Praktikum


Bei in einer Prüfungsordnung vorgeschriebenen Praktika ist zu beachten, ob es sich um ein Praktikum während des Studiums handelt (Zwischenpraktikum) oder ob es vor bzw. nach dem Studium absolviert werden muss (Vor- bzw. Nachpraktikum).

Das vorgeschriebene Zwischenpraktikum ist sozialversicherungsfrei. Es müssen hier keine Beiträge abgeführt werden und auch die besonderen Minijobregelungen kommen hier nicht zur Anwendung.

Achtung!

Bei vorgeschriebenen Vor- und Nachpraktika ist eine Besonderheit zu beachten. Grundsätzlich gilt in diesen Fällen, dass Versicherungspflicht für den „zur Berufsausbildung Beschäftigten“ (Praktikanten) gilt. Damit fallen diese Praktikanten unter den Personenkreis der Auszubildenden. Die Minijobregelungen können in diesem Fall nicht angewendet werden. Die Beitragshöhe bestimmt sich in diesen Fällen nach der Entgelthöhe.

Fazit: Handelt es sich um ein freiwilliges Praktikum, so können die Praktikanten von den Minijobregelungen profitieren.