Ist ein Überschreiten der Minijobgrenze zulässig?

9. Dezember 2021

Die Minijobgrenze beträgt monatlich 450 Euro. Liegt ein Arbeitnehmer mit seinem regelmäßigen Entgelt oberhalb dieser 450-Euro-Minijobgrenze handelt es sich nicht mehr um eine geringfügig entlohnte Beschäftigung und Versicherungspflicht zu allen Sozialversicherungszweigen tritt ein.

Doch bedeutet dies, dass jedes Überschreiten der Minijobgrenze zum Verlust des Minijob-Status führt?

Glücklicherweise ist das Überschreiten der Minijobgrenze unter bestimmten Bedingungen zulässig. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um eine dauerhafte Überschreitung handelt oder nicht.

Unzulässiges, dauerhaftes Überschreiten

Das dauerhafte Überschreiten der Minijobgrenze führt zum Eintritt von Versicherungspflicht. Denn bei einem dauerhaft höheren Entgelt wird die entscheidende Voraussetzung für einen 450-Euro-Minijob nicht mehr erfüllt. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt nur vor, wenn das regelmäßige Entgelt im Monat nicht mehr als 450 Euro beträgt. Sofern also ein dauerhaft höheres Entgelt vorliegt, ist keine geringfügig entlohnte Beschäftigung mehr gegeben.

Beispiel:

Ein Minijobber hat bislang 400 Euro im Monat verdient. Ab 1.11. erhöht er seine Arbeitszeit, so dass er dann monatlich 500 Euro verdient.

Da durch die Entgelterhöhung eine dauerhafte Überschreitung der Minijobgrenze gegeben ist, tritt ab 1.11. Versicherungspflicht ein.

Zulässiges Überschreiten der Minijobgrenze

In der betrieblichen Praxis kommt es jedoch immer wieder vor, dass aufgrund von schwankenden Arbeitszeiten die Minijobgrenze in einigen Monaten überschritten wird, in anderen Monaten hingegen nicht. Diese Konstellation tritt häufig bei Stundenlöhnern auf, die mit ihrem regelmäßigen Entgelt nahe der Minijobgrenze verdienen.

Solange das regelmäßige Entgelt dabei die jährliche Minijobgrenze von 5.400 Euro (= 12 x 450 Euro) nicht überschreitet ist ein Überschreiten der Minijobgrenze aufgrund schwankender Arbeitsentgelte problemlos.

Beispiel:

Ein Minijobber wird voraussichtlich folgende Entgelte in den kommenden 12 Monaten erzielen:

6 Monate 400 Euro

2 Monate 450 Euro

4 Monate 500 Euro

Damit liegt sein Jahresentgelt bei 5.300 Euro, also unterhalb der Jahres-Minijobgrenze von 5.400 Euro. Es handelt sich um einen Minijob, obwohl die Minijobgrenze mehrfach überschritten wurde.

Dreimal erlaubt: Gelegentlich und unvorhersehbar

Etwas komplizierter wird es bei Minijobbern, die aus unvorhersehbaren Gründen gelegentlich die Minijobgrenze überschreiten und das Entgelt sowohl über der monatlichen als auch jährlichen Minijobgrenze liegt. Für diese Fälle gilt, dass ein gelegentliches und unvorhersehbares Überschreiten der Minijobgrenze bis zu dreimal jährlich zulässig ist. Allerdings müssen die Gründe für das Überschreiten nachvollziehbar sein.

Durch die Betriebsprüfer werden hier Krankheitsvertretungen in aller Regel anerkannt. Gleiches gilt für außerordentliche Kündigungen eines anderen Arbeitnehmers. Urlaubsvertretungen sind hingegen vorhersehbar, da diese als planbar gelten.

Beispiel:

Ein Minijobber verdient monatlich 450 Euro. Im Juni erhöht sich seine Arbeitszeit, da er die Krankheitsvertretung für einen Kollegen übernehmen muss. Er verdient 600 Euro im Juni. Im September wird ein Kollege fristlos entlassen, so dass der Minijobber hier ebenfalls die Arbeitszeit erhöht und 500 Euro verdient.

Der Minijobber liegt mit seinem regelmäßigen Entgelt direkt an der Minijobgrenze. Durch die Vertretungen überschreitet er sowohl im Juni als auch im September die Minijobgrenze. Dies führt aber nicht zur Versicherungspflicht, da die beiden Überschreitungen nur gelegentlich und unvorhersehbar sind.