450-Euro-Minijob trotz sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung?

9. Dezember 2021
minijobundhauptverdienst

Auch neben einer voll sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist die Ausübung eines 450-Euro-Minijobs möglich. Obwohl bereits eine versicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt wird, können die Vorteile eines Minijobs in einem nebenbei ausgeübten 450-Euro-Minijob genutzt werden.

Denn hier gilt eine Sonderregelung, der erste geringfügig entlohnte Minijob neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ist anrechnungsfrei

Mehrere Beschäftigungen zusammenrechnen

Grundsätzlich gilt, dass mehrere gleichzeitig ausgeübte Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern in der Sozialversicherung zusammengerechnet werden. Anhand dieser Gesamtbetrachtung erfolgt dann die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung und damit auch die versicherungsrechtliche Beurteilung.

Minijob und Vollzeittätigkeit

Eine Ausnahme bildet hierbei jedoch die Konstellation eines 450-Euro-Minijobs neben einer versicherungspflichtigen (Haupt)Beschäftigung. Denn dieser (erste) 450-Euro-Minijob wird nicht mit der versicherungspflichtigen Beschäftigung zusammengerechnet.

Der „Neben-Minijob“ ist somit einzeln zu betrachten und erfüllt damit in aller Regel die Voraussetzungen für einen geringfügig entlohnten Minijob. Damit profitieren die Arbeitnehmer hier von den günstigen Minijob-Bedingungen.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer arbeitet 35 Stunden die Woche in einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung und erhält dafür 2.500 Euro im Monat. Zusätzlich nimmt er einen geringfügig entlohnten Minijob als Nebenbeschäftigung auf. Hier erhält er monatlich 350 Euro.

Da neben einer versicherungspflichtigen Beschäftigung eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausgeübt wird, ist diese nicht mit der Hauptbeschäftigung zusammenzurechnen. Der Nebenjob ist somit anrechnungsfrei und als geringfügig entlohnte 450-Euro-Minijob zu sehen.

Mehrere Nebentätigkeiten

Übt ein Arbeitnehmer hingegen mehrere 450-Euro-Minijobs neben einer versicherungspflichtigen Beschäftigung aus, so sind alle weiteren 450-Euro-Minijobs auf die versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung anzurechnen und unterliegen damit der Versicherungspflicht. Dies gilt für die Kranken-, Renten- als auch Pflegeversicherung. Einzig in der Arbeitslosenversicherung erfolgt keine Zusammenrechnung der Hauptbeschäftigung mit weiteren 450-Euro-Minijobs.

Einzig der (zeitlich) zuerst aufgenommene 450-Euro-Minijob neben einer versicherungspflichtigen Beschäftigung bleibt damit anrechnungsfrei. Ab dem zweiten 450-Euro-Minijob erfolgt die Zusammenrechnung mit der versicherungspflichtigen Beschäftigung.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer übt neben seinem Hauptjob (2.300 Euro monatlich) ab 1.5. einen Minijob für 250 Euro bei der örtlichen Tankstelle aus. Ab 1.8. nimmt er eine weitere Tätigkeit als Lagerarbeiter für 200 Euro monatlich auf.

Der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob bei der Tankstelle wird nicht auf die versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung angerechnet und ist damit versicherungsfrei. Der (zeitlich) später aufgenommene (zweite) Minijob im Lager wird hingegen auf die versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung angerechnet. Damit handelt es sich hier nicht mehr um einen Minijob, sondern um eine weitere versicherungspflichtige Beschäftigung. Es besteht Versicherungspflicht zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Einzig in der Arbeitslosenversicherung besteht im Nebenjob keine Versicherungspflicht.