12 Euro Mindestlohn im Minijob geplant

17. Januar 2022

Bislang war die Einführung des Mindestlohns von 12 Euro nur ein Schlagwort in der politischen Arena. Doch nach dem Willen des Koalitionsvertrags der drei Regierungsparteien soll der Mindestlohn zeitnah auf 12 Euro angehoben werden.

Der allgemeine Mindestlohn ist bereits 2015 eingeführt worden und seitdem beharrlich gestiegen. Die Steigerungsraten waren bislang aber relativ moderat und folgten der allgemeinen Tarifentwicklung. Letztlich ist der Mindestlohn von 8,50 Euro im Jahr 2015 auf 9,82 Euro zum 1.1.2022 gestiegen (+ 1,32 Euro). Die Anpassungen beim Mindestlohn wurden von einer Mindestlohn-Kommission beschlossen, die aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besteht. Nun soll diese bewährte Systematik durch einen „einmaligen Eingriff“ der Politik ausgesetzt werden und der Mindestlohn in einem Schwung auf 12 Euro angehoben werden. Anschließend sollen dann weitere Anpassungen des Mindestlohns wieder durch die Mindestlohn-Kommission herbeigeführt werden.

Der Eingriff der Politik dürfte einige Arbeitgeber recht unsanft treffen, schließlich erhöht sich der Stundensatz deutlich höher, als es der Mindestlohn in den vergangenen sieben Jahren getan hat. Je nach Zeitpunkt der Einführung des Mindestlohns müssen die Arbeitgeber eine Steigerung des Bruttolohns um mindestens 1,55 Euro oder gar um mehr als 2 Euro je Stunde verkraften.

Die Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro dürfte insbesondere Minijob-Arbeitgeber treffen. Denn gerade bei vielen Minijobs liegt der Stundenlohn tendenziell näher am Mindestlohn, so dass die Lohnkosten für viele Minijobs deutlich steigen dürften. Aber auch die Entgelte der anderen Beschäftigten dürften durch die Anhebung des Mindestlohns einen Schub nach oben bekommen. Denn mit der Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro dürfte das Lohngefüge insgesamt nach oben verschoben werden.

Bei Minijobs ergibt sich durch die Anhebung des Mindestlohns noch eine ganz andere Problematik, die aber bereits bedacht worden ist. Würde bei einem höheren Mindestlohn die Minijobgrenze bei 450 Euro verbleiben, würde sich die mögliche Arbeitszeit der Minijobber deutlich reduzieren. Hier soll künftig eine Koppelung der Minijobgrenze an den Mindestlohn eingeführt werden. Dabei orientiert sich die Höhe der Minijobgrenze dann an zehn Wochenstunden zum Mindestlohn. Konkret wäre eine Anhebung der Minijobgrenze auf 520 Euro mit Einführung des Mindestlohns auf 12 Euro verbunden.

Beispiel:

Ein Minijobber verdient aktuell 10 Euro je Stunde und arbeitet 45 Stunden im Monat.

Mit Einführung des Mindestlohns von 12 Euro erhöht sich sein Stundenlohn um 2 Euro. Gleichzeitig muss sich dann auch die Stundenzahl reduzieren, denn bei einen Stundenlohn von 12 Euro und einer Minijobgrenze von 520 Euro, sind nur noch 43 Stunden Arbeitszeit im Monat zulässig (520 Euro : 12 Euro = 43,3 Stunden).